Warum ich Friseursalons meide wie die Pest

Im Frühling 2023 (am 8. März, um exakt zu sein) machte ich einen grossen Fehler: Ich ging zu einer Friseurin für einen neuen Haarschnitt. Ja, das war ein GROSSER Fehler. 25 Jahre lang – nach einem Coiffeur-Desaster, als ich 13 Jahre alt war – schnitt ich mir meine Haare selber oder liess meine Mutter schneiden. Friseure und schlechte Frisuren sind mein Kindheits- und Teenager-Trauma.

Haarschere

Als ich ein Kind war, wollten meine Eltern, dass ich einen Bob trage. Ich hasse Bobs. Der Bob ist meine persönliche Hass-Frisur: Zu kurz, um die Haare hochzustecken, einen Zopf zu flechten oder einen Pferdeschwanz zu binden, aber lange genug, um die Haare ständig im Gesicht zu haben. Als kleines Mädchen wollte ich einfach nur lange Rapunzelhaare, oder ganz normale lange Haare, wie meine ältere Schwester sie hatte. Meine Eltern bestanden aber darauf, dass ein Bob mir stehen würde und meine Haare zu fein und dünn waren, um sie lange zu tragen. Mit elf verweigerte ich den Coiffeur-Besuch und liess meine Haare einige Jahre schön lange wachsen. Als ich 13 Jahre alt war, hatten wir eine Weihnachtsaufführung mit der Schule, welche sogar im Lokalfernsehen übertragen wurde! Ich wollte hübsch aussehen für diesen Fernsehauftritt und vereinbarte einen Termin mit dem Star-Coiffeur, zu dem meine Mutter ging. Der Typ war bekannt, deshalb musste er gut sein. Dachte ich… Er versuchte mir lauter komische Sachen aufzuschwatzen, etwa eine Dauerwelle, farbige Strähnchen oder einen Stufenschnitt. Wir schrieben damals das Jahr 1998. In diesem Jahr wurden viele Frisur-Verbrechen begangen… Am Ende einigten wir uns auf einen Spitzenschnitt von ca. drei Zentimeter. Der Typ schnitt mindestens 15 cm meiner Haare ab. Wahrscheinlich war es viel mehr. Ich hatte praktisch wieder einen Bob. Ich war ein unsicherer, pickliger Teenager, der alles an seinem Körper hasste, ausser die schönen langen Haare. Die jetzt weg waren. Ich habe zwei Wochen lang jeden Tag geheult.

Als Folge davon, habe ich nie wieder auch nur einen Fuss in einen Friseursalon gesetzt, bis am 8. März 2023. Immer wenn ich meine Spitzen schneiden musste, fragte ich meine Mutter. Ich selbst schnitt mir Fransen, Stufen, liess es wieder rauswachsen, schnitt mir wieder einen Pony… Bis ich auf die gloriose Idee kam, ich könnte mal einen Profi an meine Haare lassen und mir einen schönen „Butterfly Cut“ schneiden lassen. Ich musste sowieso wieder mal Spitzen schneiden und hatte endlich mal die Haare so lange, dass ich das Gefühl hatte, dass sie nach einem Haarschnitt immer noch lang sein könnten. Naja.

Coiffeurschere und Kamm

Schon im Dezember war ich bei der Friseurin meiner Mutter für ein Vorgespräch und erzählte ihr von meinem Teenage-Trauma. Ich erwähnte, dass ich lieber zum Zahnarzt gehen würde als zum Friseur. Das fand sie nur so semi-lustig. Ich meine es todernst. Sie versicherte mir, dass sie ihren Langhaar-Kundinnen nie zu viel abschneiden würde (haha!), tadelte mich aber gleichzeitig für meine „schrecklichen“ Haare. Ja, ich hatte kaputte Spitzen, aber ich war ja da, um diese zu schneiden und meine Haare waren sonst nie schrecklich, im Gegenteil. Sie schnitt etwas Spliss aus den Längen raus und sagte, ich solle im März nochmals kommen. Was ich tat. Leider. Ich brachte Bilder und sogar ein Video mit zum Termin, um ihr zu zeigen, was für einen Haarschnitt ich gerne hätte. Wieder musste ich mir einen Vortrag anhören, dass das mit meinen schrecklich feinen und dünnen Haaren nicht gehen würde.

Wir einigten uns, dass sie einfach meine Haare ein paar Zentimeter kürzt und vorne eine leichte Stufe schneidet. Ich zeigte ihr, wieviel Haare ich opfern würde und sie meinte, es wäre gar nicht nötig so viel zu schneiden. Haha. Sie verschnitt mir die Haare komplett. Sie halbierte mir buchstäblich die Haare. Zuvor war es Taillen-lang, danach hätte ich es in der Mitte meiner Schulterblätter. Zu allem Elend schnitt sie einfach gerade durch, nichts Stufen oder sanften Übergänge. Vorher sah ich aus wie eine Wald-Elfe mit meinen langen Haaren. Jetzt sah ich aus wie ein Schaf. Ich war so wütend.

Ich habe gewellte Haare, die lockig werden, je kürzer sie sind. Aber keine hübschen Löckchen, sondern eher wie nach einem Griff in die Steckdose. Meine Haare sind recht rutschig und fein und wenn ich fürs Ballett einen schönen Dutt machen will, brauche ich einfach genug Haare, die ich feststecken kann. Nach diesem Coiffeur-Desaster kriegte ich die Haare kaum mehr in einen gescheiten Dutt fürs Ballett und auch meine Lieblingsfrisur – ein Flechtzopf rund um meinen Kopf – ging mit diesen kurzen Haaren nicht mehr. Trug ich meine Haare offen, sah ich aus wie ein Schaf, das dringend geschoren werden musste.

„Es wächst ja wieder nach!“ antworteten mir viele auf meine Klagen. Ja, es wächst wieder nach, aber meine Haare wachsen super langsam. Meine Haare wachsen im Jahr wenn’s hoch kommt etwa zehn Zentimeter, ohne schneiden. Nur um das nachwachsen zu lassen, was die Friseurin mir abgeschnitten hat, wird es mehr als drei Jahre dauern, wenn ich die Haare nie schneide. Es brauchte gute acht Monate, damit ich überhaupt wieder einen Dutt fürs Ballett machen konnte und über ein Jahr für meine liebste Zopf-Frisur.

Verzweifelt habe ich Methoden gegoogelt, um meine Haare schneller wachsen zu lassen. Ich habe meine Ernährung angepasst, Kopfmassagen versucht, Apfelessig-Spülungen gemacht, den Handstand versucht… nichts hat geholfen. Bei meinen Recherchen stiess ich auf Rizinusöl. Es sollte das Haarwachstum fördern. Im Sommer reiste ich durch Indonesien, wo ich auch ein paar Tage in Kuta, Lombok, verbrachte. Bei einem Besuch in meinem Lieblingsladen „Tiga Natural“ fand ich ein Fläschchen mit dem Wunder-Öl. Und so habe ich im August 2023 angefangen, mir jede Woche Rizinusöl in die Haare zu schmieren. Hat es geholfen? Erfahre es hier.

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Ein Jahr lang ölte ich meine Haare mit Rizinusöl und das passierte

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Why I avoid hair salons like the plague