Kampung Warna-Warni
Wie einer der schlimmsten Slums Indonesiens zu einer Touristenattraktion wurde
Jodipans farbenfrohe Geschichte
Im Sommer 2023 reiste ich durch Java, Indonesien. Meine Reise begann in der Hauptstadt der indonesischen Provinz Java Timur, Surabaya, führte mich über Yogyakarta, der Hauptstadt des Sultanats Yogyakarta und ehemaliger Hauptstadt Indonesiens, nach Malang, der zweitgrössten Stadt Javas. Üblicherweise kommen Touristen (auch ich!) nach Malang, um den Mount Bromo, einer der aktivsten Vulkane der Welt, zu besichtigen. Aber auch in Malang selber gibt es einige sehenswerte Ecken zu besichtigen. Eine davon ist Kampung Warna-Warni (oder Jodipan) und die Nachbardörfchen Kampung Tridi und Kampung Biru Arema.
Vor einigen Jahren war Jodipan einer der schlimmsten Slums in Indonesien. Die Regierung stand kurz davor, den Slum zu räumen und abzubrechen, als acht Studierende der Universität Malang eine zündende Idee hatten: Sie wollten den Slum in eine bunte Touristenattraktion verwandeln. Ein lokaler Farbhersteller sponsorte Farben mit denen die Slum-Bewohner mit Hilfe der indonesischen Armee und Künstlern ihr Dorf in den buntesten Farben erstrahlen liessen.
Der Brantas River, an dem Jodipan liegt, wurde von Abfall befreit. Es wurde ein Entsorgungssystem eingerichtet und die Bewohner in Recycling geschult. Plötzlichen kamen Besucher aus aller Welt nach Jodipan! Die Besucher zahlen eine kleine Eintrittsgebühr von 5000 IDR (Stand 2023) was ca. 30 Cents entspricht. Jodipan ist der perfekte Ort, um grossartige Fotos und Selfies zu schiessen oder um mit der Drohne tolle Aufnahmen zu machen. Jedes Haus und jede Strasse ist in einer anderen Farbe angemalt und mit Blumen oder bunten Schirmen dekoriert. Auch gibt es unzählige Wandgemälde an den Häuserfassaden zu bestaunen.
Regelmässig finden Veranstaltungen mit Musik, Tanz und leckerem Essen statt. Ich durfte ein paar Mädchen zuschauen, wie sie in ihren bunten Kostümen und ihrem goldenen Kopfschmuck traditionelle javanische Tänze auf der Hauptbühne für die Show am Abend übten. Glücklich posierten sie für Fotos. Wenn man durch die engen bunten Gassen streift, kommt es vor, dass man einer ansässigen Familie praktisch durchs Wohnzimmer geht. Das mag etwas seltsam anmuten, aber die Bewohner sind herzlich und empfangen Besucher mit offenen Armen. Mein Führer, ein ehemaliger Lehrer, der in Jodipan aufwuchs, erzählte mir, wie schlimm die Situation vor der farbenfrohen Wandlung des Dorfes war.
Die Situation der Einheimischen verbesserte sich drastisch. Endlich haben sie Arbeit und können Geld verdienen. Sie verkaufen Souvenirs, Snacks und Getränke an die Touristen. Das Dörfchen auf der anderen Seite des Brantas Rivers, Tridi, sah die Verwandlung von Jodipan zum Besseren und bat ebenfalls um ein Farb-Sponsoring. Heute sind Jodipan und Tridi durch die gelbe Brücke miteinander verbunden. Ein drittes benachbartes Dörfchen folgte, wählte aber die Farbe blau für die Häuser. Kampung Biru Arema befindet sich gleich neben Jodipan.
Wie man am einfachsten nach Jodipan kommt
Während meines Besuchs in Malang residierte ich im The Shalimar Boutique Hotel, ein glamouröses Beispiel kolonialer Architektur. Das Gebäude hat eine so reiche Geschichte, die die Betreiber des Hotels erhalten haben, so dass der Besuch im Hotel ein richtiges Erlebnis ist. Da ich es gerne komfortabel habe, habe ich mir über die App von Gojek ein Scooter-Taxi bestellt, dass mich beim The Shalimar abholte und zu einem der Haupteingänge von Jodipan fuhr. Das ist bequem, schnell und günstig, perfekt für kürzere Distanzen in der Stadt. Für längere Distanzen ist es besser einen Fahrer zu engagieren, der wartet. Als ich in Malang war, besuchte ich einen Wasserfall in Batu, der ausserhalb des üblichen Gojek-Radius war. Ich musste ein ganzes Stück zu Fuss gehen, bis ich wieder an einem Ort war, wo welche verfügbar waren. Hier gibt es mehr Infos zu Gojek und wie das Ganze funktioniert.
Für den Besuch von Jodipan, Tridi und Biru Arema unbedingt ein paar Stunden einplanen. Es gibt so viel zu entdecken! Und sollte man vor lauter Farben durstig und hungrig werden, dann servieren die Einheimischen gerne leckere Snacks und kühle Drinks!