Plastikfrei leben - Das nachhaltige Badezimmer
Wir haben ein Problem: ein Plastikmüll-Problem, durch die massenhafte Verbreitung von Einwegplastik. Nur ein ganz kleiner Teil des Plastikmülls wird rezykliert. Plastik, Mikroplastik sowie in Plastik enthaltene giftige Zusatzstoffe gelangen in die Umwelt, ins Wasser, in den Boden, in die Luft und in unser Essen. Wir essen, trinken und atmen Mikroplastik ein. Forscher fanden Plastikpartikel in Darm, Leber, Nieren, Plazenta und Gehirn. Studien vermuten, dass Mikroplastik eine schädliche Wirkung im Körper entfalten könnte. Deshalb versuche ich unter Anwendung der “7 R” meinen Plastikmüll so gut es geht zu reduzieren.
Gerade im Bad fällt viel Plastikmüll an: Shampoo- und Conditionerflaschen, Cremetiegel und Einwegrasierer, Periodenprodukte, Wattestäbchen, Zahnbürsten und Zahnseide. Auch enthalten viele Kosmetikprodukte Mikroplastik, etwa Peelings, Zahnpasta aber auch Makeup und Shampoo. Den “7R” folgend verzichte ich komplett auf Produkte, die Mikroplastik enthalten, kaufe möglichst nur noch Produkte ohne Plastikverpackungen und bin auf wasch- und wiederverwendbare Hygieneartikel umgestiegen. Es fällt zwar immer noch Plastikmüll in meinem Bad an, doch ich konnte die Menge drastisch reduzieren. Nicht vergessen:
“We don’t need a handful of people doing zero waste perfectly. We need millions of people doing it imperfectly.” Anne Marie Bonneau
Wir brauchen nicht ein paar wenige Leute, die “Zero Waste” perfekt umsetzen, wir brauchen Millionen von Menschen, die es versuchen, auch wenn es nicht perfekt umgesetzt wird. Mit den folgenden Tipps habe ich es geschafft, meinen (Plastik-)Müll im Bad massiv zu reduzieren.
Feste Seife
Feste Seifen sind eine tolle Alternative zu Flüssigseifen und Duschgel. Feste Seifen sind ergiebiger als flüssige Seifen, da sie weniger Wasser enthalten und konzentrierter sind, sie sind auch ergiebiger, weil man sie nicht überdosiert, haben weniger chemische Zusatzstoffe und sind schonender zur Haut. Zudem benötigen sie viel weniger Verpackungsmaterial als Flüssigseifen. Da sie kleiner und leichter sind als Flüssigseifen, sind sie einfacher zu transportieren, was sich wiederum in einer besseren CO2-Bilanz niederschlägt. Es gibt mittlerweilen eine riesige Auswahl an festen Seifen, so dass für jeden Hauttyp die Richtige gefunden werden kann. Auch Shampoo und Conditioner gibt es als feste Seifen. Nachhaltige Marken wie Rahua füllen ihre flüssigen Shampoos und Conditioner in edle Glasflaschen und bieten die Möglichkeit, Nachschub im Nachfüllbeutel zu besorgen. Nachfüllbeutel bestehen zwar auch aus Plastik, der Plastikbedarf für einen Nachfüllbeutel ist aber geringer als für eine ganze Flasche.
Feste Bodylotion, Hand- und Fusscreme
Shampoo, Pflegespülung, Bodylotion, sogar Hand- and Fusscreme gibt es in fester Form.
Bodylotions und Cremes sind normalerweise in Plastikflaschen oder Plastiktiegel verpackt. Mittlerweilen gibt es sie aber auch in fester Form. Ich habe alle ausprobiert: feste Bodylotion, feste Handcreme, feste Fusscreme. Leider haben mich feste Cremes nicht überzeugt und ich verwende wieder die Lotionen. Ich hatte Schwierigkeiten, meinen Körper damit einzucremen und gut zu verstreichen. Die feste Pflege hinterliess vielmehr einen klebriger Film auf meiner Haut. Die Kartonverpackungen enthalten inwendig eine Plastikschicht, sonst würde der Karton durchfetten. Auch wenn ich die feste Creme mit sauberen Händen auf sauberem Körper angwendet habe, wurde sie schnell schmutzig. Mich haben feste Cremes leider nicht überzeugt.
Rasierhobel
Ich liebe meinen rosé-goldenen Rasierhobel von Bambaw! Früher habe ich Einwegrasierer verwendet. Erst als ich auf den Rasierhobel umgestiegen bin, habe ich gemerkt, wie kratzig diese Einwegrasierer auf der Haut sind. Der Rasierhobel war eine einmalige Anschaffung und der Multi-Pack mit 100 Klingen wird bis an mein Lebensende reichen. Da Einwegrasiere nicht ganz billig sind, konnte ich schon jede Menge Geld sparen, abgesehen davon, dass so ein rosé-goldener Rasierhobel im Bad viel dekorativer aussieht. Mein Rasierhobel rasiert viel gründlicher und sauberer. Ich habe weniger bis gar keinen Rasurbrand. Auch wenn es etwas Mut braucht “unten rum” mit der scharfen Klinge zu rasieren, wird es mit etwas Übung immer leichter. Einfach einen guten Rasierschaum verwenden, die es überigens auch in fester Form gibt. Ich werde nie wieder einen Einwegrasierer an meine Haut lassen!
Waschbare Abschminkpads
Waschbare Abschminkpads hätte ich schon viel früher anschaffen sollen! Sie entfernen sanft, schonend und zuverlässig Make-up. Ich brauche keine Produkte mehr zum Entfernen von Make-up. Ich mache einfach den Pad nass, entferne das Make-up, lasse ihn trocknen und sammle die Pads in einem kleinen Waschbeutel, wasche sie 60° C und ich kann unendlich oft verwenden. Wie beim Rasierhobel lohnt es sich, einmal etwas mehr Geld zu investieren, dafür spart man langfristig umso mehr. Meine Abschminkpads nutze ich schon viele Jahre und sie sehen immer noch wie neu aus. Überigens tut auch der gute alte Waschlappen seine Arbeit.
Gesichtsmasken und Peelings
Früher habe ich oft einzeln verpackte Gesichtsmasken oder Peelings mit versteckten Mikroplastik gekauft. Ich versuchte damit, meine (hormonelle) Akne unter Kontrolle zu bringen. Nichts hat aber wirklich geholfen, bis ich Rügener Heilkreide entdeckte. Seit ich regelmässig Gesichtsmasken und Peelings mit Rügener Heilkreide mache, ist meine Akne unter Kontrolle. Ich rühre die Heilkreide mit wenig (!) Wasser an und ich habe eine wunderbar reinigende und vitalisierende Gesichtsmaske und ein sanftes Peeling in einem. Ich kaufe immer die original Rügener Dreikronen Heilkreide, von der eine Packung ewig hält und ich am Ende nur eine Kartonschachtel und ein Papiersäckchen entsorgen muss.
Es gibt zahlreiche Alternative zu den einzeln verpackten Gesichtsmasken oder Peeling mit Mikroplastik. Peelings kann man ganz leicht mit Salz, Zucker, Kaffee oder anderen Zutaten, die man in der Küche findet, herstellen. Auch Gesichtsmasken lassen sich ganz leicht selber machen.
Stoffbinden und andere nachhaltige Periodenprodukte
Einweg-Periodenprodukte verursachen extrem viel Müll. Die meisten konventionellen Binden und Tampos enthalten Plastik, das auch nicht recycelt werden kann sowie chemische Zusatzstoffe, die ich ehrlich gesagt nicht untenrum oder sogar im Körper haben möchte. Zum Glück gibt es viele nachhaltige Alternativen, etwa waschbare Stoffbinden (mein Favorit), Periodentassen oder Periodenunterwäsche. Ich selber nutze waschbare Stoffbinden. Diese sind viel saugfähiger als herkömmliche Binden, riechen nicht, lassen sich ganz leicht waschen und unzählige Male wiederverwenden. Man spart also auch noch viel Geld! Periodenunterwäsche habe ich bis jetzt noch nicht probiert, Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie toll sind beim Sport. Bei der grossen Auswahl an nachhaltigen Menstruationsprodukten gibt es für jede die passende Lösung.
Dusch-WC & Co
Klopapier ist nicht gut für die Umwelt. Die Herstellung braucht enorm viel Wasser, ganze Wälder werden für Toilettenpapier abgeholzt und es enthält oft Chemikalien die der Haut und der Umwelt schaden. Übertriebenes Abputzen und das falsche Toilettenpapier können zu Hautirritationen am Po führen und sogar Krankheiten auslösen. Eine viel schonendere und hygienischere Alternative zu Toilettenpapier sind Dusch-WCs oder sogenannte “Bum Guns”. Diese sind aber teuer und müssen mit grossem Aufwand installiert werden. Gerade in Mietwohnungen ist das oft nicht einmal möglich. Es gibt aber günstige Alternativen: tragbare Po-Duschen. Diese haben den Vorteil, dass man sie auch auf Ausflüge oder Reisen mitnehmen kann.
Zahnbürsten, Haarbürsten, Kämme & Co
Zahnbürsten, Zahnseide, Wattestäbchen, Haarbürsten und Kämme: Sie alle gibt es auch in nachhaltigen Materialien wie etwa Bambus oder Holz, statt Plastik.
Mein Badezimmer ist nahezu plastikfrei. Das freut nicht nur die Umwelt, sondern auch mein Portemonnaie. Längerfristig sind nachhaltige Produkte auch schonend für den Geldbeutel.