Als alleinreisende Frau durch Indonesien - Ein Erfahrungsbericht
Die Vulkane Mount Batok (vorne), Mount Bromo (in der Mitte) und Mount Semeru (im Hintergrund) auf der indonesischen Insel Java.
Allein zu reisen hat viele Vorteile: Man kann das Tempo und die Aktivitäten selber bestimmen, sich nach Lust und Laune, ganz nach seinen eigenen Bedürfnissen und Interessen richten, man gewinnt an Selbstvertrauen, knüpft leichter Kontakte mit Einheimischen oder anderen Reisenden und kann richtig in fremde Kulturen eintauchen.
Als Frau alleine und sicher zu reisen bedarf jedoch guter Planung, angefangen bei der Auswahl des Reiseziels bzw. des Landes, das man besucht. Ich machte gute und schlechte Erfahrungen als alleinreisende Frau, stark abhängig von der Destination. Ich möchte meine Erfahrungen die ich in Indonesien gemacht habe, hier mit anderen Frauen teilen und ihnen hoffentlich die Wahl der Reisedestation erleichtern.
Indonesien ist das perfekte Reiseziel für alleinreisende Frauen: Die indonesische Gesellschaft ist eine lebendige, vielfältige Mischung aus Traditionen und modernen Einflüssen, tief verwurzelten Familienwerten und einer reichen Kultur, die Harmonie, Respekt vor Älteren, Höflichkeit und Kollektivismus ins Zentrum stellt. Indonesier sind dafür bekannt, sehr freundlich und neugierig zu sein. Zudem ist die Kriminalität in Indonesien generell recht niedrig.
Bali
Sonnenaufgang über einem Reisfeld in Ubud, Bali.
Ich reiste im Jahr 2022 das erste mal nach Indonesien. Ich nutzte die Gunst der Stunde, um Bali ohne grosse Touristenmassen zu besuchen. Es waren immer noch gewisse Covid19-Massnahmen in Kraft, was viele Leute davon abhielt, nach Bali zu reisen. Ich verbrachte eine paar Tage in Canggu bevor ich nach Ubud weiterzog. Es war meine erste Südostasien-Reise. Meine erste Wahl war Bali, weil die Balinesen für ihre Gastfreundschaft und Freundlichkeit bekannt sind. Nach 18 Stunden Flug kam ich müde in Bali an. Ich wurde von meinem Fahrer Putut herzlich willkommen geheissen. Er sorgte dafür, dass ich mich rundum wohl fühlte. Er war so unglaublich nett und hatte eine Flasche kühles Wasser im Autor für mich. Im Hotel kümmerte er sich darum, dass ich in aller Ruhe ankommen und einchecken konnte. Auch im Hotel wurde im wärmstens empfangen.
Das hübsche kleine Homestay in Ubud, wo ich untergebracht war.
Überall waren die Leute extrem freundlich und neugierig, manchmal fast zu freundlich. Da ich in der Schweiz lebe, bin ich mir so viel Freundlichkeit und Interesse an meiner Person nicht gewohnt. Ich wurde ständig auf der Strasse angesprochen, oder um Fotos gebeten. Anfänglich war ich etwas irritiert und dachte, die wollen mich übers Ohr hauen. Schnell bemerkte ich aber, dass sie wirklich nur freundlich waren und echtes Interesse zeigten. Klar, die meisten versuchten etwas zu verkaufen, sei es Kleidung, Sonnenbrillen, Souvenirs oder ihre Dienste als Reiseführer oder Fahrer. Jedoch waren sie aber nie aufdringlich (und das sage ich als Introvertierte!) und wenn ich klar kommunizierte, dass ich kein Interesse habe, liessen sie mich in Ruhe. Ausserdem war ich ja im Urlaub und hatte Zeit. Ich liess mich auf die Unterhaltungen ein und hatte so unzählige tolle Begegnungen mit Einheimischen. Noch heute erhalte ich regelmässig Nachrichten von Leuten, mit denen ich die Nummern getauscht habe. Vielmehr schockierte mich das doch sehr unfreundliche Verhalten meist westlicher/weisser Touristen gegenüber den Balinesen.
In Ubud war ich zu Gast in einem kleinen Homestay, welches von einer balinesischen Familie betrieben wird. Sie hatten sogar einen eigenen Tempel, wobei das völlig untertrieben ist. Es war ein ganzer Tempel-Komplex! Mein Gastgeber organisierte alles perfekt für mich: Er holte mich pünktlich in Canggu ab, organisierte einen Ausflug zum Mount Batur für mich und lud mich sogar zu einem hinduistischen Fest ein, welches seine Familie mitorganisierte. Ich fühlte mich in meinem zum Bungalow umgebauten Reis-Speicher in dem wunderschönen tropischen Garten rundum wohl.
Sobald ich einen Gojek-Fahrer buchte, der einigermassen gut Englisch sprach, fragte ich ihn, ob er mich für eine Tagespauschale rumfahren würde. Wir handelten dann einen Preis aus und so hatte ich meinen eigenen privaten Fahrer für einen Tag. Sie brachten mich zuverlässig zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten, zeigten mir aber auch versteckte Wasserfälle oder Tempel und sorgten dafür, dass ich einen unvergesslichen Tag erleben durfte. Während ich Tempel besuchte, passten sie auf meinen Rucksack auf, warteten mit einem Handtuch, während ich im Wasserfall badete und brachten mich zu den besten Restaurants.
Ich fühlte mich in Bali jederzeit sicher und wohl, auch wenn ich viel alleine unterwegs war. All meine (männlichen) Fahrer und Guides waren respektvoll, zurückhaltend und freundlich. Sie kümmerten sich immer sehr um mich und setzten alles daran, dass ich eine gute Zeit hatte. Zuhause würde ich nie im Leben einen wildfremden Mann fragen, ob er mich einen Tag durch die Gegend kutschiert. In Indonesien hingegen ist es normal. Jeder ist ein Fahrer oder hat einen Cousin/Onkel/Freund, der einen Scooter oder ein Auto hat und froh ist, etwas Geld zu verdienen. Ich hatte keine einzige schlechte Erfahrung, weder in Bali, noch auf Lombok oder Java.
Lombok
Im Gegensatz zu Bali, welche die einzige mehrheitlich hinduistische Insel in Indonesien ist, ist Lombok mehrheitlich muslimisch. Die Atmosphäre auf Lombok ist ganz anders als auf Bali. Lombok ist (im Moment noch) weniger touristisch als Bali und weniger überfüllt. Im Grossen und Ganzen ist Lombok ruhiger, simpler und noch nicht ganz so entwickelt. Die Einheimischen sind aber genauso freundlich und offen wie die Balinesen. Ich erinnere ich mich gerne daran, wie ich auf dem Scooter meiner Freundin, die auf Lombok lebt, meine ersten Fahrversuche auf einer fast leeren Strasse machte. Sie wartete am Strassenrand auf mich, bis ich meine Runde gedreht hatte. Jedes Auto und jedes Motorrad verlangsamte und fragte nach, ob wir eine Panne hatten, ob wir Bezin brauchten oder ob sie sonst wie helfen können.
Alle Schnorcheltrips, die ich buchte, waren perfekt organisiert. Die Fahrer und die Captains waren zuverlässig und stets um meine Sicherheit bemüht. Ich war ständig alleine mit mehreren Männern auf Booten und es war nie ein Problem - im Gegensatz zu anderen Orten, wo das schnell hätte unangenehm werden können. Bei meiner Tagestour auf die Secret Gilis begleitete mich ein Fischer, der kaum Englisch sprach. Er strengte sich ungemein an, mir die schönsten Korallen zu zeigen, mir den besten Tisch am Strand zu reservieren und die bequemste Liege auf einer kleinen Insel zu organisieren.
Die Angstellten im Hotel realisierten schnell, dass ich als Frau alleine reiste und fragten regelmässig nach, ob alles in Ordnung ist. Als ich einmal nicht zum Frühstück erschien, da ein Trip sehr früh startete waren alle besorgt, dass etwas vorgefallen war und waren froh, mich am nächsten Morgen gesund und munter wieder beim Frühstück anzutreffen.
Gili Air
Ich erinnere mich gut daran, dass das Eidgenösissche Departement für auswärtige Angelegenheiten Reisewarnungen für die Gilis aussprach aufgrund der lokalen Schwarzbrenner-Mafia. Ich schaffte es, bei meiner Reise auf die Gilis in Mitten eines Schwarzbrenner-Kreises zu landen und es war… harmlos. Dazu muss ich sagen, dass ich kaum Alkohol trinke und jedem wärmstens rate, niemals schwarz gebrannten Alkohol zu trinken, schon gar nicht in Südostasien. Abgsehen davon, dass er gar nicht schmeckt, ist es extrem gefährlich, illegal hergestellten Alkohol zu konsumieren. “Meine” Schwarzbrenner war ein Grüppchen gelangweilter Inselbewohner, die einfach nur abends etwas Spass am Strand haben wollten. Sie waren die Freunde des Betreibers meines Hotels. Jeden Abend trafen sie sich am Strand vor dem Hotel und tranken zusammen ihren selbstgebrauten Schnaps. Hatten sie Alkoholprobleme? Definitiv! Luden sie mich ein? Absolut! Ging ich hin? Ja! Trank ich mit ihnen? Aber schon sicher nicht! Aber wie endete ich bei der Schwarzbrenner-Mafia der Gilis?
Als ich auf Gili Air ankam, wurde ich von einem Grüppchen Einheimischer willkommen geheissen, selbstverständlich mit einem “Welcome Drink”, wie üblich in Indonesien. Ich sah auf den ersten Blick, dass es schwarzgebrannter Schnaps war. Aus Höflichkeit trank ich den halben Becher. Er schmeckte nicht wirklich und enthielt zum Glück nur wenig Alkohol. Später am Abend wurde ich vom Hotelbesitzer eingeladen, mit ihm und seinen Freunden Reiswein am Strand zu trinken. Die berühmt-berüchtigte Schwarzbrenner-Mafia von Gili Air! Ich tat so, als ich würde ich aus dem Glas trinken, das die Runde machte. Irgendwann waren alle ziemlich angeheitert, auch die zwei britischen Touristinnen, die dabei waren.
Eine schaffte es, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Der Hotelbesitzer schleppte sie in einen freien Bungalow, wo sie ihren Rausch ausschlafen konnte und damit sie sich im Vollsuff am Strand verletzte. Trotz der lokalen Schwarbrennermafia fühlte ich mich jederzeit sicher. Aber bitte, trinkt niemals, egal wo auf der Welt, illegal gebrannte alkoholische Getränke!
Java
Java ist deutlich weniger touristisch als Bali, oder sogar Lombok. Oft war ich die einzige westliche/weisse Touristin weit und breit. Die meisten Touristen kamen aus Indonesien selber oder waren aus benachbarten Ländern wie etwa Malaysia. Viele javanische Städte sind eher konservativ. Aber auch die Einheimischen auf Java sind so umgänglich wie die Balinesen. In Yogyakarta sprach mich mitten auf der Strasse ein Indonesier an. Was als Batik-Shop Scam begann, endete damit, dass ich ihn mehrere Male als mein Fahrer und Guide buchte. Der Batik-Shop Scam funktioniert so, dass man angesprochen und zu einer Batik-Ausstellung von ganz speziellen Künstlern eingeladen wird. Es ist der (angeblich) letzte Tag dieser speziellen Ausstellung und man wird gedrängt, ein Bild zu kaufen und sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Der Shop ist aber auch noch zwei Wochen später da, und das Bild meist auch. Der Einheimische war aber nett und ich fragte ihn, ob er mich einen Tag durch Yogyakarta fahren würde auf seinem Scooter. Ich buchte ihn dann auch für weitere Ausflüge, unter anderem zur Goa Jomblang und Goa Grubug und zur Pindul Cave. Hatte er mal keine Zeit, organisierte er einen anderen Fahrer für mich. Beide bemühten sich, mir einen super Service zu bieten. So schaffte er es, dass ich - obwohl alles ausgebucht war - doch noch den Borobudur Tempel besuchen konnte, und sorgte dafür, dass ich am Mount Merapi spontan eine Jeeptour machen konnte, bevor er mich zur Candi Prambanan brachte.
Da Java und seine Bewohner doch eher konservativ sind, sei geraten, sich nicht zu freizügig zu kleiden. So trug ich immer lange Hosen oder lange Kleider und bedeckte meine Schultern oder sogar meine Arme. Einerseits aus Respekt gegenüber den Einheimischen aber auch als Schutz gegen die heisse tropische Sonne.
Die einzige unangenehme Begegnung hatte ich in Malang: Ein Betrunkener baggerte mich an. Es war aber helllichter Tag, auf einem grossen, öffentlichen Platz mit vielen anderen Menschen rundherum. Als ich genug von ihm hatte, lief ich einfach weg. Zehn Minuten später, als ich mit meiner Motorradkleidung auf meinen Gojek-Fahrer wartete, erhielt ich viele Komplimente von ein paar älteren Damen für mein Outfit. Ich bedeckte immer meine Haar halbwegs mit einem Turban und das gefiel ihnen besonders gut, die Kombination aus Motorrad-Kluft und Seidenturban.
Der langen Rede kurzer Sinn…
Die indonesische Gesellschaft ist eine lebendige, vielfältige Mischung starker gemeinschaftlicher Bindungen, tief verwurzelter Familienwerte und reicher kultureller Traditionen, die von zahlreichen ethnischen Gruppen und Religionen (vorwiegend Islam) geprägt sind. Harmonie, Respekt vor Älteren, Höflichkeit und Kollektivismus prägen Indonesien und seine Menschen, zwischen traditionellen Wurzeln und modernen Einflüssen. Indonesier sind bekannt dafür, unglaublich freundlich und neugierig zu sein. Und mit der gleichen Freundlichkeit und Neugier sollte man den Indonesiern begegnen. Man wird unzählige interessante Gespräche führen, Freundschaften knüpfen und faszinierende Kulturen aus nächster Nähe erleben.
Was tun und was nicht, wenn mal als Frau allein durch Indonesien reist
Sich bedeckt kleiden, aus Respekt vor den Einheimsichen. Schultern und Knie bedecken, d.h. lange Hosen oder Röcke, Oberteile mit langen Ärmeln ohne tiefen Ausschnitt. Wer religiöse Stätten besucht, sollte sich vorab über die Kleiderordnung informieren und sich entsprechend kleiden. Bei grossen Tempeln werden z.T. Sarongs zur Verfügung gestellt, aber lange nicht überall. Lange Kleidung schützt auch vor der heissen tropischen Sonne oder Moskitos.
Lass den String-Bikini zu Hause, bring stattdessen einen Badeanzug und ein Schwimm-Shirt oder lange Schwimmhosen mit. Diese schützen vor der Sonne im Wasser und beugen gefährliche Korallen-Verletzungen (hohe Infektionsgefahr!) vor. Gerade wenn man in Korallenriffe schnorchelt, sollte man sowies keine Sonnencreme verwenden. Lange Kleidung schützt vor Sonnenbrand. Deshalb macht lange Badebekleidung gleich doppelt Sinn.
Geduld haben: Indonesier sind sehr entspannt und werden nicht gerne gestresst. Die meisten, die mit Touristen zu tun haben, wissen aber, dass Pünktlichkeit geschätzt wird und strengen sich an, pünktlich zu sein. Gerade in den Städten ist der Verkehr aber oft brutal und sollte der Gojek-Fahrer sich mal verspäten, steckt er wohl im Stau.
Besuche keine Tempel während deiner Periode.
Trinke niemals schwarzgebrannten Alkohol. Alkohol nur in Massen konsumieren und wenn, dann nur legalen Alkohol.
Konsumiere niemals Drogen. Unter keinen Umständen! Indonesien geht mit grosser Härte gegen Drogenkriminalität vor und ahndet auch Verstösse, bei denen harte Drogen im Spiel sind, mit der Todesstrafe, auch bei Touristen!
Wer feiert, sollte die üblichen Vorsichtsmassnahmen ergreifen, d.h. nie sein Getränk unbeaufsichtigt lassen, Alkohol nur mässig konsumieren und einen guten Plan haben, wie man von der Party-Location sicher zurück ins Hotel kommt.
Wer sich privat einen Fahrer sucht, sollte unbedingt vorher die Vergütung besprechen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Am besten macht man es per WhatsApp (welches in Indonesien sehr verbreitet ist), so hat man es gleich schriftlich.
Wenn du nicht schon zu Hause Scooter/Motorrad fährst, dann tue es bitte auch nicht in Indonesien. Ungeübte Touristen sind mitunter die gefährlichsten Verkehrsteilnehmer in Indonesien. Jeder Beinahe-Crash, den ich hatte, war aufgrund von Leuten, die nicht wissen, wie man fährt. Buch dir ein Gojek, die sind extrem günstig. Falls dein Fahrer rücksichtlos oder zu schnell fährt, dann teile ihm das mit und bitte ihn, seinen Fahrstil anzupassen.
Gib deinem Gojek-Fahrer, dem Kellner, dem Zimmermädchen ein Trinkgeld. Du finanzierst ihnen damit unter Umständen Nahrungsmittel für die ganze Familie für eine Woche oder Schulmaterial.
Lächle, sei höflich, bescheiden und neugierig. Lass dir Zeit und unterhalte dich mit den Einheimischen. Du wirst enorm viel über die indonesische Kultur, Sitten und Gebräuche lernen und Freundschaften knüpfen.
Lass dich nicht übers Ohr hauen. Indonesien hat eine relativ tiefe Kriminatlitätsrate, aber Kleinkriminalität gibt es überall auf der Welt, auch in Indonesien. Trag nur das nötige Bargeld mit dir rum. Ich nutze Wise in Indonesien. Das funktioniert (fast) überall. Schliesse deinen Pass im Safe im Hotel ein. Mache Fotos von deinen Ausweisen mit dem Smartphone, das man ja eh meistens dabei hat.
Bist du auch schon alleine durch Indonesien gereist? Wie war es? Was hättest du gerne vorher gewusst? Was hast du gelernt? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!