Schiesssport und Nachhaltigkeit: ein Widerspruch?

Warum Gummigranulat-Kugelfänge die erste Wahl für moderne Schiessanlagen sind

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Schiesssport wird oft mit Lärmemissionen, Blei- und Bodenbelastungen assoziiert, nicht aber mit einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass Nachhaltigkeit im Schiesssport durchaus möglich ist.

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Die DHZ AG in Lufingen ist ein auf “Urban Mining” spezialisiertes Unternehmen, welches nicht nur Metalle aus KVA-Schlacke gewinnt, sondern auch Granulat-Kugelfänge reinigt.

Vorteile von Granulat-Kugelfängen

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Gummigranulat-Kugelfänge haben viele Vorteile. Einer davon ist die einfach Wartung mit gleichzeitiger Rückgewinnung wertvoller Metallen.

Herkömmliche Kugelfänge von Schiessanlagen sind stark mit verschiedenen Schwermetallen belastet. Aufgrund der Zusammensetzung der Geschosse macht Blei den grössten Anteil der Belastung aus. Moderne Schiessstände sind heutzutage aber mit umweltfreundlichen Kugelfängen ausgerüstet, welche einen hohen Grad an Emissionsfreiheit gewährleisten, so auch die Gummigranulat-Kugelfänge der Swiss Shooting Range AG in Spreitenbach, Aargau.

Dem Kugelfang am Ende einer Schiessbahn kommt eine zentrale Rolle zu: Die abgefeuerten Projektile werden durch die visko-elastische Eigenschaft des Granulats zuverlässig gestoppt; die Gefahr von Abprallern und Querschlägern vermindert sich. Gummigranulat-Kugelfänge bestehen aus einem speziellen Gummigranulat als Füllmaterial. Die aus rezykliertem Gummi oder Kunststoff hergestellte dichte Schüttung bremst die eindringenden Projektile sanft ab, so dass kaum Splitter oder Funken entstehen und das Risiko von Abprallern auf praktisch null vermindert wird. In modernen Indoor-Schiessanlagen, wie der Swiss Shooting Range, haben Gummigranulat-Kugelfänge einen weiteren Vorteil: Sie sorgen für eine geringere Lärmbelastung. Beim Aufprall des Projektils im Granulat entsteht lediglich ein gedämpftes Geräusch, was für eine ruhigere Trainingsumgebung für den Schützen sorgt und eine bessere Konzentration ermöglicht. Überdies werden Staub- und Schadstoffemissionen bei Gummigranulat-Kugelfängen deutlich reduziert. Weil das Projektil nicht zerschellt, wird weniger Bleistaub freigesetzt, was wiederum für eine bessere Luftqualität im Schiessstand sorgt. Damit aber nicht genug: Ein weiterer grosser Vorteil von Gummigranulat-Kugelfängen gegenüber Stahllamellen-, Sand- und Kies-Kugelfängen, ist die vergleichsweise einfach Wartung.

Mit der Zeit sammeln sich viele Projektile, Schrotbecher und weitere Abfallprodukte im Granulat, weshalb der Kugelfang regelmässig gereinigt werden muss. Die Aufbereitung des Granulat-Kugelfangs der Swiss Shooting Range übernimmt die DHZ AG in Lufingen. Die im Jahr 2009 gegründete DHZ AG recycelt Kehrichtschlacke und Abfälle mit modernen Anlagen und gewinnt wertvolle Metalle zurück. Die dabei entstehenden, unvermeidlichen Rückstände werden in eigenen modernen Deponien sicher eingelagert.

«Urban Mining» zur Rückgewinnung strategischer Rohstoffe

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Die beim “Urban Mining” gewonnenen Metalle werden an Metallhütten im In- und Ausland verkauft.

Die DHZ AG ist auf sogenanntes «Urban-Mining» spezialisiert: Dabei werden Metalle wie Stahl, Aluminium, Kupfer, Gold und Silber aus der Schlacke von Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) zurückgewonnen.

In der Schweiz fallen jährlich rund 4 Millionen Tonnen brennbare Abfälle aus Haushalten, Industrie und Gewerbe an, die nicht rezyklierbar sind. Diese Abfälle werden gesammelt und in Kehrichtverbrennungsanlagen thermisch verwertet. Die freigesetzte Wärme erzeugt Strom und beheizt Gebäude. Das Abfallvolumen wird durch die Verbrennung um rund 90 % reduziert. Die restlichen 10 % verbleiben in der Form von Schlacke.

Die Verbrennung in der KVA ist nicht die letzte Station der Abfallbehandlung, denn in der Schlacke befinden sich strategische Rohstoffe, die für wichtige Wirtschaftssektoren essenziell sind. In der Schweiz fallen jährlich über 800'000 Tonnen Verbrennungsrückstände aus dem Ofen und der Rauchgasreinigung an, die noch rezyklierbare Metalle enthalten. Abfälle aus sozioökonomisch besser gestellten Gebieten weisen im Durchschnitt ein höheres Potenzial zur Wertstoffrückgewinnung auf. Dadurch kann ihre thermische Verwertung sowie die anschliessende Metallrückgewinnung aus der Verbrennungsschlacke einen höheren ökonomischen Ertrag erzielen als bei Abfällen aus einkommensschwächeren Gebieten. Die DHZ AG führt den gesamten Urban-Mining-Prozess durch, von der Separierung der Metalle aus der Schlacke, dem Verkauf der Metalle, bis hin zur Endlagerung der verbleibenden Schlacke auf der Deponie. Die heraussortierten Metalle verkauft die DHZ AG direkt an Metallhütten im In- und Ausland.

Dank supersort® zum sauberen Kugelfang

Der eigenes von der DHZ AG entwickelte Anlagenteil supersort® ist seit Juli 2013 in Betrieb und bereitet jährlich rund 120‘000 Tonnen Schlacke auf. Mit modernster Technik wird das Aufgabematerial zunächst aufgebrochen und die Metalle anschliessend durch die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften aussortiert. Durch unterschiedliche physikalische Eigenschaften, etwa wie Dichte oder Magnetismus, werden schwere Metalle und Nichteisenmetalle herausgefiltert. Die Rückstände werden über ein Förderband auf die direkt anliegende Deponie Häuli geführt und dort sicher und gesetzeskonform deponiert. Am Standort in Oberglatt veredelt die DHZ AG Nichteisenmetall-Konzentraten und andere metallhaltige Abfälle, indem zuerst Fremdstoffe in der Entstaubungsanlage entfernt und die Metall anschliessend gereinigt werden. Die dabei entstehenden Abfallprodukte werden auf die Deponie Häuli verbracht und die Metalle auf dem Weltmarkt verkauft.

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Der von der DHZ AG entwickelte supersort® sortiert die verschiedenen Metalle.

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Auch das Gummigranulat des Kugelfangs wird im supersort® mechanisch gereinigt und aufbereitet. Die darin enthaltenen Metall werden in den Kreislauf zurückgeführt.

Auch der Kugelfang der Swiss Shooting Range wird mit dem supersort® trockenmechanisch gereinigt und aufbreitet: Eine spezialisiert Firma saugt mit Hilfe eines Saugbaggers die obersten Schichten des Kugelfangs ab, bis sich keine Geschossreste mehr finden. Das abgesaugte Granulat wird anschliessend nach Lufingen zur DHZ AG spediert, wo der supersort® das Blei und weitere Metallfragemente vom Gummigranulat trennt. Durch den Aufprall der Geschosse im Kugelfang wird das Gummigranulat mechanisch beansprucht wodurch sich die Korngrösse des Granulats reduziert und verschleisst. Diese kleinen Reste werden durch die DHZ AG fachgerecht entsorgt. Das übrige Granulat wird in die definiert Körnung gesiebt und in den Kugelfang zurückgeführt. Um den Verlust auszugleichen wird zum Abschluss frisches Granulat eingebracht.

Das so gewonnene Blei und weitere Metalle werden in den Kreislauf zurückgeführt. So trägt die Swiss Shooting Range mit Gummigranulat-Kugelfängen zu mehr Nachhaltigkeit im Schiesssport bei.

Droht der Schweiz eine Müllkrise?

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Die Teilnehmenden an der Führung durch die DHZ AG durften den supersort® aus nächster Nähe betrachten.

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Geschossrest und alte Waffen fallen unter das Kriegsmaterialgesetz und bedürfen beim Verkauf ins Ausland einer Exportbewilligung des Secos.

An einem heissen Sommertag im Juni 2026 durften Teilnehmende an der exklusiven, durch die Swiss Shooting Range organisierten Führung, den Prozess der Kugelfangaufbereitung in der DHZ AG aus nächster Nähe betrachten: Geschäftsführer Benjamin Blumer führte die Interessierten durch die Deponie Häuli und zeigte ihnen die einzelnen Prozess-Schritte des Urban Minings. Dabei erfuhren die Teilnehmenden nicht nur, dass es für den Export von Geschossresten ins Ausland einer Exportbewilligung des Secos bedarf, denn auch deformierte Geschossen fallen unter das Kriegsmaterialgesetz, sondern auch dass der Schweiz eine Müllkrise droht: Für die nicht verwertbaren Reststoffe aus der Müllverbrennung gibt es immer weniger geeignete Deponien, wie die Deponie Häuli, weshalb der Schweiz mittelfristig ein akuter Engpass bei den Deponiekapazitäten für KVA-Schlacke (Deponien des Typs D) drohen.

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Beim “Urban Mining” finden sich allerlei Kuriositäten.

Aktuellen Studien des Anlagenbetreiber-Verbands VBSA zufolge reicht der heute tatsächlich nutzbare Deponieraum für die Ablagerung von Verbrennungsrückständen schweizweit nur noch für maximal fünf Jahre. Der Planungshorizont einer neuen Deponie beträgt gute zehn, der Bau einer solchen etwa zwei Jahre. Kehrichtverbrennungsanlagen sind auf gesicherte Deponievolumen angewiesen. Schlackeaufbereitungsanlagen wie die DHZ AG können fehlende Deponiekapazitäten erheblich entlasten, insbesondere durch Metallrückgewinnung und die Verwertung mineralischer Anteile. Urban Mining verstärkt diesen Effekt langfristig, indem insgesamt weniger Abfälle anfallen und Sekundärrohstoffe besser genutzt werden. Beide Ansätze sind daher wichtige Bausteine einer Kreislaufwirtschaft, ersetzen aber Deponien nicht vollständig. Für die nicht verwertbaren Reststoffe werden auch künftig ausreichende Deponiekapazitäten benötigt. Die Deponie Häuli mit ihrer aktuell bewilligten Kapazität von 2 Mio. Kubikmetern wird in 4 bis 5 Jahren verfüllt sein. Sollte sich das geplante Erweiterungsprojekt nicht innerhalb der nächsten Jahre realisieren lassen, würde dies erhebliche Defizite in der zürcherischen Abfallplanung mit sich bringen und die kantonale Entsorgungssicherheit nach 2030 grundlegend in Frage stellen.

Mehr Nachhaltigkeit im Schiesssport

Die Reinigung von Gummigranulat aus Kugelfängen zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in modernen Urban-Mining-Prozessen steckt. Durch die gezielte Aufbereitung können wertvolle Materialien zurückgewonnen und einer erneuten Nutzung zugeführt werden. So wird aus einem vermeintlichen Abfallstoff ein wertvoller Rohstoff. Mit den Gummigranulat-Kugelfängen leistet die Swiss Shooting Range einen wichtiger Beitrag zu Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.

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